Bosse im Zirkel

Es war einmal eine Idee…zehn Unternehmerinnen und Unternehmer zu einem monatlichen Erfahrungs- und Sinnen-Austausch zu gewinnen – Ein Persönlichkeits- und Führungskräftetraining der anderen Art: Eine Schulung der (Hell)-Sinne nach Knauss / Sonnenschmidt und mehr.

Zahlreiche Managementfortbildungen, Seminare und Workshops durfte ich im Laufe meines beruflichen Fortgangs besuchen – wirklich Ziel führend aus meiner Sicht waren die Inhalte nur im Augenblick. Einige Wenige der vielfältigen Veranstaltungen und Unternehmer-Netzwerke beschäftigen sich mit dem was – neudeutsch: im Business – wirklich, wirklich, wirklich zählt. Den eigenen Sinnen, dem eigenen Gewahr-Sein, der Achtsamkeit, dem eigenen Bewusst-Sein und dem Selbst.

Langfristig und auf das Wesentliche reduziert betrachtet, sind für mich aus solchen seminaristischen Begebenheiten nur die Eindrücke, die Beziehungen und die Verbundenheit mit Menschen geblieben. Und genau das ist es doch, was es ausmacht – sich an den eigene Erfahrungen, Erlebnisse im Umgang und dem zwischenmenschlichen Miteinander zu erfreuen, um so das eigene Fundament erwachsen zu lassen und zum wahren Selbst zu werden, dem ICH BIN.

Angespornt durch die Medial- und Heiler-Ausbildung bei Rosina Sonnenschmidt und Harald Knauss, die eigene wöchentlich regelmäßige Arbeit im Zirkel und meine Business-Kontakte, machte ich mich 2008 ans Werk. Die erste Herausforderung war Unternehmerinnen und Unternehmer mit der Bereitschaft zu finden, sich auf solch ein ‛Experiment’ einzulassen. Dazu muss man wissen, dass Medialität in der Wirtschaft nur mit medialer Präsenz (Presse, Funk und Fernsehen) in Verbindung gebracht wird und Menschen mit ‛andersartiger′ Denk- und Wirkweise sofort in die Esoterik-Ecke gesteckt werden, um von dort auch nicht mehr herausgelassen zu werden. Aber zum Glück erwacht die so allmählich an ihre Grenzen stoßende Wirtschaft. Bemerkbar macht sich das gerade im zwischenmenschlichen Miteinander – business-sprachlich: Personalführung und Kommunikation – nicht nur bei kleinen und mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben.

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich denkbar ungeniert“, dachte ich mir humorvoll und trabte los. Dankbarerweise verfüge ich, resultierend aus meiner Arbeit, über viele gute, persönliche Kontakte, auf die ich zugehen konnte. Ziel war es, mit einem guten Grundbestand an Teilnehmern den Zirkel regelmäßig stattfinden zu lassen. Und da ich meine ‛Pappenheimer’ – die Businessleute – gut kenne, war mir wichtig einen sogenannten ‛Teilnehmerpool’ zu haben. Denn der tägliche Kampf des Selbständigen hat auch im Unternehmerzirkel seine Auswirkungen. Absagen bis kurz vor Beginn des Zirkels sind vorprogrammiert. Da ist die FreiRaumZeit – wie ich es genannt habe – ein leichtes Opfer. Um die monatlichen Zusammenkünfte nicht zugunsten anderer wichtigerer Termine verschieben zu müssen, wurden Regeln aufgestellt, unter anderem folgende: Alle Teilnehmer, einschließlich meinerseits, sind dazu verpflichtet mindestens eine persönliche Empfehlung auszusprechen und in den Zirkel einzubringen. Aktuell besteht der Zirkel aus 17 Unternehmern und Selbständigen, wobei im Durchschnitt sieben Personen tatsächlich anwesend sind.

Die erste Akquise, man könnte das fast mit Auftragsgenerierung verwechseln, für den Zirkel war äußerst zäh und bedurfte wahrer Überzeugungskraft. Wie im richtigen Leben! Skepsis, Zweifel an der Sinnhaftigkeit und die Angst als spirituell „geoutet“ zu werden waren groß. Aber dennoch: die Neugier siegte!

Hinter dem anfänglich vermuteten „Hokuspokus“ und der starren Verhaftung in der bisherig praktizierten Unternehmensführung, der Verwurzelung in wissenschaftlichen Managementmethoden und betriebswirtschaftlichen Kennzahlensystemen, wich die Angst und Bodenständigkeit gewann. Die persönlichen Scheuklappen verwandelten sich in Perspektiven und Weiterentwicklungen auf allen Ebenen. Das Erleben, das für den Moment bewusste Heraustreten aus dem Alltag, der eigene Wandel und die damit einhergehende Veränderung des Umfeldes, wird von den teilnehmenden Unternehmern und Selbständigen als Frei-Raum des Selbst erlebt. „Dies lässt den Zirkel zu einem Ort der Stärkung werden“, so das Feedback einer teilnehmenden Fachanwältin. Und ein Autohausbesitzer resümiert: „Die Welt oszilliert um einen herum und scheinbar ist die Zeit während des Zirkels im Stillstand. Das Gefühl zu haben auch die eigene Zeit, und somit das Leben steuern zu können, ist für mich ein maximaler Erkenntnisgewinn“.

Ein erfahrener Zirkelteilnehmer muss wissen: Die Spezies des gemeinen Unternehmers und Selbständigen tickt anders. Eine Aufgabe dieser Zirkelarbeit ist es, die teilnehmenden Unternehmer zu sensibilisieren – auf das bewusste Wahrnehmen mit allen Sinnen. In der Wirtschaft herrscht gnadenloser Konkurrenzkampf und wirklich wahrgenommen wird nur der Wettbewerb(er). Der Fokus liegt ausschließlich auf zwei Dingen: 1. Maximierung von Umsatz, Gewinn, Rendite und 2. auf Optimierung der Organisation, von Prozessen, Personal, Zahlen. Vergessen wird dabei, dass der Mensch der Erschaffer dieser Wirklichkeit und die wesentliche Person im Wertschöpfungsprozess ist. Immer noch werden Menschen in der Wirtschaft und Wissenschaft als Produktionsfaktoren bezeichnet. Ausgehend von diesem Denken, ist es notwendig die Unternehmer sanft, aber stet, einer grundlegenden Veränderung zu unterziehen und auf die Überprüfung eigener Sichtweisen hinzuführen. Das war auch meine persönliche Herausforderung, als Zirkelleiterin, als teilnehmende Unternehmerin, als Businesscoach. Eine Herausforderung für den gesamten Zirkel.

Unterschätzt hatte ich wie eingefahren die Denk- und Verhaltensmuster der Teilnehmer zum großen Teil waren. Ich hatte bewusst bei der Auswahl der Teilnehmer das Augenmerk auf die ‛Schwierigen’ gelegt. So fiel es zu Beginn allen äußerst – ja fast unüberwindlich – schwer Positives wahrzunehmen und dies auch noch mitzuteilen. Wie genant Bosse sein können, überraschte mich doch sehr. „Kinderkram“, war die Bemerkung eines Privat-Bankiers. Hinzu kam die anfängliche Scheu sich mit Knete, Farbpapier, Briefumschlägen, Bändern oder auch nur mit sich auseinander zu setzen. Das ist einfach zu banal! Und das auch noch im Kreis sitzend! Vergaß ich doch glatt für den Moment die Ordnung und Hierarchie – als Chef ist man halt was Besseres! „In und über ihre Firmen sprechen sie immer von ‛wir begegnen uns auf Augenhöhe’, aber in der Realität und in der Praxis haben sie wohl vergessen wie das geht!“, schoss es mir durch den Kopf. Diesen Gedanken sogleich auch ausgesprochen, brachte sie dies schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Zumal die Anmerkung, dass sie „hier freiwillig und aus eigener, freier Entscheidung oder etwa nur aus reiner Neugierde teilnehmen“, sogleich Wirkung zeigte.

Das Eröffnungsritual vollzog ich anfangs im Stillen. Denn zu verschreckt waren eingangs die Teilnehmer mit dieser Art von Begrüßung und Beginn. Bisher waren sie nämlich nur die üblichen Abläufe in Seminaren und Vorträgen gewohnt. Neben der sensitiven Arbeit ist es mein Anliegen auch über aktuelle Themen, Situationen und Herausforderungen zu sprechen. Jedoch wird immer mit der sensitiven Arbeit begonnen – alle bringen sich ein, jeder schlägt Übungen vor. Der Fokus liegt somit zuerst im Innen, d. h. in der Arbeit mit dem Selbst. Im Anschluss widmen wir uns einem Thema aus den Bereichen Persönlichkeit, Finanzen, Familie, Zeit, Kultur, Unternehmen, Gesellschaft, Freizeit, Umwelt/Natur und Gesundheit.

Jeder trägt an einem Zirkelabend sein Thema vor. Dabei ist es egal, ob es ein Statement, eine Begebenheit oder ein aktueller Anlass ist. Wichtig ist, dass die Teilnehmer mit allen (Hell-)Sinnen wahrnehmen, was der „inspiriert sprechende“ Redner in fünf Minuten vermittelt und vermitteln möchte. Gemeinsam können dann Erfahrungen ausgetauscht, Denkansätze diskutiert und Lösungen entwickelt werden. Dies dient zusätzlich der Förderung der eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Qualitäten und somit gewinnen alle an Erkenntnis, Erfahrung, Sensitivität und querdenkerischem Vermögen.

Mir ist bewusst, dass das von der herkömmlichen Zirkelarbeit und Vorgehensweise abweicht. Aber so habe ich es geschafft, dass ausschließlich gewinnorientierte Unternehmer den Weg zu sich, zum Bewusst-Sein, Gewahr-Sein, zur Achtung und Demut zurück finden und sich auf ein verantwortungsvolles Handeln – gerade in ihrer Position – (rück-)besinnen. Eine Chance, die sich ihnen im normalen Umfeld nicht alltäglich bietet. „Eine gute Möglichkeit die ‛Problembrille’ mit all ihre Auswüchsen abzulegen. Ich habe früher eigentlich alles nur negativ gesehen“, reflektiert ein Bauunternehmer. „Und dabei ist es doch so einfach: weg von dem, was fehlt, hin zu dem, was da ist“.

Es hat sich eine Zirkelkultur gebildet, die – basierend auf der englischen Psychometrie – gepaart mit einem zeitgenössisch-kritisch freien Denken mit alltäglichen Themen auseinandersetzt und durch einen ‛neuen′ Unternehmergeist getragen wird. Ein Software-Unternehmer merkte an: „Ich wusste gar nicht, welch ungeahnte Talente und Fähigkeiten in mir schlummern.“ Wer hätte das gedacht!

Meine Arbeitsfelder in der Unternehmenssupervision, der Organisations-Entwicklung und -Beratung haben sich durch die sensitive Arbeit und die Anwendung des Medial- und Heilwissens enorm verändert und in Qualität und Tiefe bereichert. Dieses Wissen fließt in all meine Workshops, Seminare, Coaching und Trainings ein und wird weitervermittelt. „Annehmen was kommt, liegen lassen was fällt und sich dabei auf das Wesentliche und Einfache konzentrieren“, ist mein Motto. Und immer noch habe ich Rosinas´ Worte im Ohr: „Die Lösung ist immer einfach und heiter.“